Pendlerverflechtung zwischen den Kreisen und Gemeinden Schleswig-Holsteins

2000/2001: Gutachten im Auftrag der Abt. Landesplanung des Ministeriums für Ländliche Räume, Landesplanung, Landwirtschaft und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein.

2007: Auswertungen und Kartierung im Auftrag der Abteilung Landesplanung des Innenministeriums des Landes Schleswig - Holstein sowie laufende Forschung ohne externe Finanzierung.

Projektleitung:
Prof. Dr. Johannes Bröcker

Bearbeitung:
Dr. Hayo Herrmann, Sebastian Döll (2007)

 

Empirische Befunde zur Berufspendlerverflechtung zwischen Raumeinheiten leisten einen wesentlichen Beitrag zur Abgrenzung funktionaler Regionen im Sinne zusammenhängender Wirtschafts- und Lebensräume, zur Einschätzung täglicher Verkehrsströme und zur Beschreibung regionaler Arbeitsmärkte. So ist die Entscheidung der Arbeitskräfte, eine räumliche Distanz zwischen Arbeitsstätte und Wohnung zu akzeptieren und damit den Status eines Berufspendlers anzunehmen, Resultat wie auch Voraussetzung räumlicher Trennung von Produktionsstätten und Wohngebieten. Die Pendlermobilität stellt damit gleichzeitig ein Stück Arbeitsmarktflexibilität dar und liefert neben der qualifikatorischen Flexibilität einen wesentlichen Beitrag zum Ausgleich regionaler Arbeitsmarktbilanzen. 

Vor diesem Hintergrund stellt die Analyse der räumlichen Struktur und der Entwicklung der Berufspendlerströme einen Teil der laufenden empirischen Forschung am Institut für Regionalforschung dar. Nachdem zuletzt mit der Volkszählung 1987 regional gegliederte Pendlerzahlen ausgewiesen wurden, ermöglicht seit 1993 ein Auswertungsprogramm zur Beschäftigtenstatistik, dass die Sozialversicherungspflichtig Beschäftigten regional sowohl nach ihrem Wohn- als auch nach ihrem Arbeitsort zugeordnet werden können. Damit lassen sich indirekt auch regionale Pendlerströme einschätzen. Die Daten für die Kreise Schleswig-Holsteins (einschließlich Hamburg) wurden uns von der Bundesanstalt/Bundesagentur für Arbeit für alle Jahre ab 1993 zur Verfügung gestellt. Gemeindedaten für 1993, 1996, 1999 und die folgenden Jahre liegen ebenfalls vor. Ausgewählte Ergebnisse sind in der Publikation zum o.g. Gutachten (2000/2001) und in den Arbeitsmarktberichten des Instituts dokumentiert (siehe Beschäftigungs- und Arbeitsmarktentwicklung in Schleswig-Holstein).

Die Pendlerströme haben sich in den letzten Jahren insbesondere verstärkt

  • zwischen den Kreisen des Hamburger Randgebietes
  • aus Hamburg ins Hamburger Randgebiet
  • aus den kreisfreien Städten des Landes in ihre Nachbarkreise.

Dagegen haben sich die zentripetalen, traditionellen Pendlerströme, also diejenigen aus den Nachbarkreisen in die kreisfreien Städte oder vom Hamburger Randgebiet nach Hamburg, unterschiedlich entwickelt. Der Teilausgleich räumlicher Arbeitsmarktungleichgewichte durch Arbeitskräftemobilität hat sich weiter verstärkt, er entfernt sich aber langsam von der klassischen monozentrischen Form (Wohnen im Umland der Städte, Arbeiten in den städtischen Zentren) und liefert ein zunehmend disperses Verflechtungsbild. Andererseits bleibt aber der Umfang der Pendlerströme über größere Distanzen, also in andere als die Nachbarkreise, weiterhin deutlich hinter den Nahpendlerströmen zurück. Auf der Ebene der Planungsräume des Landes gilt also nach wie vor, dass das in der Region wohnende Arbeitskräfteangebot ganz überwiegend durch Arbeitsplatzangebote der eigenen Region zu versorgen ist. Dabei ist Hamburg mit seinem Umland allerdings als eine Region zu sehen.

Veröffentlichung zum Gutachten 2000/2001
Hayo Herrmann, Berufspendlerverflechtung in Schleswig-Holstein. J. Bröcker (Hrsg.), Beiträge aus dem Institut für Regionalforschung der Universität Kiel, Nr. 35, Kiel, 2001.

Hayo Herrmann, Berufspendlerverflechtung in Schleswig-Holstein. Kurzfassung des Beitrags Nr. 35 aus dem Institut für Regionalforschung der Universität Kiel, Kiel 2001.

Weitere Veröffentlichungen:

Empirische Arbeiten zur Pendlerverflechtung 2004/2005:

 

Auswertungen der Pendlerdaten für den Zeitraum 1993 bis 2003 auf Ebene der Kreise und Gemeinden des Landes Schleswig-Holstein (einschl. Hamburg) wurden Ende 2005 in einem Beitrag aus dem Institut für Regionalforschung publiziert: Hayo Herrmann und Ann-Christine Schulz, Räumliches Muster der Berufspendlerverflechtung im Raum Schleswig-Holstein/Hamburg. J. Bröcker (Hrsg.), Beiträge aus dem Institut für Regionalforschung der Universität Kiel, Nr. 40, Kiel 2005.

 

Pendlerverflechtung 2005 - Darstellung in Karten:

Die Auswertung zentripetaler Pendlerströme im Jahr 2005 (im Auftrag der Abteilung Landesplanung des Innenministeriums des Landes Schleswig-Holstein) führte zu einer Kartensammlung: a) Einzelkarten für 23 ausgewählte Städten in Schleswig - Holstein sowie für Hamburg ( Auspendlerintensitäten der Umlandgemeinden), b) Karten für Hamburg und die kreisfreien Städte, die die Veränderung der Auspendlerintensitäten (1999-2005) darstellen. und c) Karten, die Pendlerräume und insbesondere die Pendlerüberschneidungsbereiche für acht ausgewählte Regionen darstellen. 

Die Kartensammlung kann hier 

als PDF-Datei bezogen werden.